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INFO zur pränatalen Diagnostik

(frühzeitige Diagnose von angeborenen kindlichen Schäden)

 

Aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage bin ich verpflichtet, Sie über verschiedene Möglichkeiten und Risiken von Untersuchungen in der Frühschwangerschaft aufzuklären, mit denen zu einem hohen Prozentsatz (jedoch keineswegs zu 100 %!) eine mögliche Missbildung oder ein genetischer Schaden des Kindes frühzeitig erkannt werden kann. Ich erlaube mir allerdings, diese gesetzlich vorgeschriebene Aufklärung persönlich zu kommentieren.
Es ist unter anderem auch eine ethische Frage, ob Sie die eine oder andere Untersuchung in Anspruch nehmen wollen, bzw. ob Sie ein Untersuchungsergebnis überhaupt wissen wollen, da ein schlechtes Ergebnis der Untersuchung gelegentlich zu einem Angebot für einen Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation führen kann. Sie ganz allein treffen jedoch die Entscheidungen!
Die Untersuchungen im einzelnen:
1. Die Messung der Nackendicke des Kindes etwa in der 12. Schwangerschaftswoche. Diese Untersuchung kann (muss nicht!) ein Hinweis auf eine Chromosomenanomalie (Trisomie, Morbus Down, oder im Volksmund "mongoloide Kinder") sein. Etwa 70% aller Chromosomenanomalien können damit diagnostiziert werden. Die Untersuchung bedeutet kein Risiko für Mutter oder Kind.
2. Der "OSCAR-TEST": Wird in der 11.-14. Schwangerschaftswoche gemacht. Dabei wird mittels Computerprogramm aus dem Verhältnis von 2 Hormonwerten im Blut (Blutabnahme) und dem genauen Schwangerschaftsalter (Ultraschall) sowie der Messung der Nackendicke eine Risikoschätzung für eine Chromosomenanomalie errechnet. Allein aufgrund des mütterlichen Alters wird ebenfalls das Risiko geschätzt. Diesen Wert gebe ich Ihnen bekannt. Meine Meinung zum OSCAR-Test ist, dass eine bloße Schätzung für mich persönlich nicht beruhigend sein könnte. Die Untersuchung bedeutet aber kein Risiko für Mutter oder Kind.
3. Die Untersuchung des Fruchtwassers (Amniozentese). Etwa in der 15.-16. Schwangerschaftswoche wird mit einer 0.4mm dicken Injektionsnadel unter Ultraschallsicht Fruchtwasser entnommen und untersucht. Dies ist die genaueste Möglichkeit, eventuelle Chromosomenanomalien zu erkennen. Allerdings dauert der Befund etwa 3 Wochen. Es gibt hierbei noch die Möglichkeit, gleichzeitig den so genannten "FISCH-TEST" vorzunehmen, der innerhalb von 2 Tagen immerhin 80% aller möglichen Chromosomenanomalien erkennen lässt. Das endgültige Ergebnis der Amniozentese lässt sich so vielleicht leichter erwarten. Die Amniozentese wird international ab einem mütterlichen Alter von 35 Jahren oder einem gemeinsamen Alter der Eltern von 70 Jahren dringend empfohlen. Die Untersuchung ist laut internationaler Literatur mit einem um ½ - 1 % höheren Abortus-Risiko verbunden. Wenn Sie es also wirklich genau wissen wollen, muss ich Ihnen diese Untersuchung empfehlen. Weitere invasive (operative) Untersuchungsmethoden bespreche ich gerne persönlich mit Ihnen.
4. Ultraschall-Screening in der 20. - 22. Schwangerschaftswoche. Dabei wird mit besonders empfindlichen und teuren Ultraschallgeräten versucht, jedes Organ des Kindes darzustellen. Ich empfehle diese Untersuchung ausdrücklich allen Schwangeren, da dabei auch geringfügige Störungen erkannt werden können, die durch ein entsprechendes Geburtsmanagement optimal versorgt bzw. behandelt werden können. Sie müssen allerdings auf die Qualifikation des Untersuchers achten. International gefordert wird eine Qualitätsstufe 2 oder höher. Leider bieten in Wien zum Zeitpunkt des Verfassens dieser INFO nur wenige Gemeindespitäler sowie die Universitätskliniken und einige Privatinstitute diese Qualität an.
Bei all den Untersuchungen bedenken Sie aber bitte, dass diese, wie alles in der Medizin, nicht zu 100% richtige Ergebnisse liefern können und dass wir außerdem alle bloß Menschen sind und gelegentlich auch irren können.
© Dr. Lingard, Wien
August 2005

 

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